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Geschlossene Entgratzelle in einer Fertigungshalle: eine raumhohe helle Einhausung, links davor eine Reihe von Schaltschränken mit Bedienfeldern, Not-Halt und Hauptschaltern, rechts eine Schutzgittertür mit Sicherheitsschalter, darüber die Medienführung der Halle

„Wir bekommen den Grat nicht weg.“

Hochpräzisions-Wasserstrahlentgraten

Dahinter steht selten ein Verfahrensproblem — sondern ein Grat, der an einer Stelle sitzt, an die kein Werkzeug herankommt: an der Verschneidung zweier Bohrungen, im Inneren eines verzweigten Bauteils.

1 · Die Herausforderung

Der Grat sitzt dort, wo kein Werkzeug hinkommt

Grate entstehen, wo Material getrennt oder umgeformt wurde — an Bohrungsaustritten, an Verschneidungen von Quer- und Kreuzbohrungen, an Fräskanten. An der Außenfläche ist das beherrschbar. Im Inneren eines verzweigten Bauteils nicht: Eine Bürste oder ein Fräser müsste dorthin reichen, wo sich zwei Kanäle kreuzen.

Ein Grat, der bleibt, bleibt selten ein Formfehler. Er löst sich später und wandert dorthin, wo das Bauteil arbeitet — in Öl- und Hydraulikkanäle, an Ventile, in Pumpen und Getriebe. Ein abgelöster Grat im Kanal ist damit nicht nur ein Entgrat-, sondern ein Restschmutzproblem — dieselbe Frage, die auch jede Reinigungsanlage beantworten muss.

Was Kunden suchen

  • Reproduzierbar sicherer Prozess

    Von Hand entgraten funktioniert, solange die Stückzahl klein ist und niemand einen Nachweis verlangt. Sobald beides kippt, hängt die Qualität an der Tagesform.
  • Niedrige Restschmutzwerte

    Der abgelöste Grat ist ein Sauberkeitsproblem. Entgraten und Restschmutz gehören zusammen.
  • Automatisierbarer Ablauf

    Der Takt darf nicht an der Zahl der Hände hängen.
  • Sichere Entfernung innenliegender Grate

    Genau dort, wo mechanisch kein Werkzeug hinkommt.

Um welche Bauteile es geht

Keine Branchenliste, sondern eine Bauteilfamilie: Entscheidend ist nicht, in welcher Industrie das Teil verbaut wird, sondern wie es innen aussieht — verzweigte Kanäle mit Querbohrungen und Verschneidungen. Am häufigsten sind Getriebegehäuse, Pumpengehäuse, Motorblöcke und Aluminiumgehäuse.

VentilblöckeHydraulikblöckeGetriebegehäuseMotorblöckePumpengehäuseTurboladergehäuseLenkgehäuse

Fast immer aus Aluminium oder Aluminium-Druckguss — ein Werkstoff, der leicht zerspant und dabei zäh ausbricht. Der Werkstoff ist trotzdem keine Grenze; er ist der Schwerpunkt, weil die Bauteile aus Aluminium sind, nicht weil das Verfahren darauf beschränkt wäre.

2 · Wann es das richtige Verfahren ist

Selten aus einem einzigen Grund

In den meisten Projekten kommen mehrere Gründe zusammen — technische Sauberkeit, Prozesssicherheit und Wirtschaftlichkeit sind dabei fast immer beteiligt.

Diese Seite sagt Ihnen auch die Gegenrichtung. Wo das Verfahren nicht die richtige Wahl ist, steht weiter unten in Abschnitt 7 — auf derselben Seite, nicht in einer Fußnote. Dass sich Wasserstrahlentgraten bei hohen Stückzahlen rechnet und bei sehr kleinen nicht, ist dieselbe Überlegung von beiden Enden.

3 · Ein Schritt statt zwei

Derselbe Strahl trägt den Grat ab und aus dem Bauteil aus

Das ist kein Querverweis auf ein zweites Angebot, sondern eine Eigenschaft des Verfahrens — und deshalb steht es vor der Frage nach der Maschine: Es verändert, worüber entschieden wird, über einen Prozessschritt oder über zwei.
  1. 01Grat abtragenDer Hochdruckstrahl löst den Grat an der Wurzel.
  2. 02AustragenDerselbe Strahl spült ihn aus dem Kanal.
  3. 03ReinigenRestschmutz wird im selben Prozess entfernt.
  4. 04Trocknenje nach AuslegungProjektspezifisch, wo das Bauteil trocken weitergeht.

4 · Welches Maschinenkonzept passt

Erst die Anforderung, dann das Konzept

Die Auswahl erfolgt projektspezifisch anhand mehrerer Kriterien — Stückzahl, Taktzeit, Werkstückgröße, Automatisierungsgrad, Bauteilgeometrie, Zugänglichkeit der Entgratstellen, Prozessanforderungen und erforderliche Sauberkeit. Das Budget steht bewusst zwischen den technischen Kriterien, nicht darunter: Eine Anlage, die technisch überzeugt und sich nicht rechnet, ist keine Lösung.

Die drei Standardkonzepte

Stationäre Anlage

Wirtschaftlichkeit bei Gleichteilen — identische Werkstücke, feste Spannlage, feste Düsensysteme genügen.

Drei Konzepte, drei Argumente, die sich nicht überschneiden — genau deshalb ist die Wahl selten eindeutig. Bei uns ist die Roboterlösung der Standard; ohne Roboter legen wir aus, wenn feste Spannlage und Wirtschaftlichkeit dafür sprechen. Das ist eine begründete Entscheidung, keine Sparvariante.

Ausgang einer Entgratzelle: ein Knickarmroboter führt ein Bauteil durch die geöffnete Schleuse nach außen, auf dem Förderband davor stehen zwei Getriebegehäuse aus Aluminiumguss
Der Roboter führt das Bauteil durch die Schleuse aus der Zelle. Welches der drei Konzepte trägt, entscheidet sich nicht am Strahl, sondern daran, wie das Teil gehalten und bewegt wird.
CAD-Gesamtdarstellung einer Wasserstrahl-Entgratanlage: rechts die eingehauste Bearbeitungszelle, links davor die Hochdruck- und Medientechnik auf eigenem Grundrahmen, dazwischen die durchlaufende Fördertechnik
Eine Entgratanlage besteht aus mehr als der Zelle: Hochdruck- und Medientechnik stehen auf eigenem Grundrahmen, die Fördertechnik läuft durch. Was davon wie ausgelegt wird, folgt aus den acht Größen darunter.

Was wir projektspezifisch auslegen

Steht das Konzept, bestimmen acht Größen die Anlage: Bauteilgeometrie, Werkstoff, Gratwurzel, Zugänglichkeit der Entgratstellen, Taktzeit, Restschmutzanforderung, Werkstückaufnahme und Automatisierungsgrad. Gratwurzel und Zugänglichkeit sind die beiden, an denen sich die Auslegung entscheidet: Nicht „der Grat“ ist die Aufgabe, sondern wo er ansetzt, wie fest er sitzt — und ob ein Strahl ihn erreicht.

Der Druckbereich liegt projektabhängig etwa zwischen 300 und 1.500 bar; unnötig hoher Druck wird vermieden. Auch das Medium wird ausgelegt — im Regelfall Wasser, je nach Anforderung mit Korrosionsschutz, Reiniger oder Additiven. Alle übrigen Werte entstehen im Angebot: Für Sonderanlagen gibt es keine Datenblätter.

Stationäre Anlage

Ausgelegt für
Identische Werkstücke, feste Spannlage
Das Argument
Wirtschaftlichkeit bei Gleichteilen
Serie
Gleichteile

Einzelroboter

Ausgelegt für
Unterschiedliche Bauteile, komplexe Geometrien
Das Argument
Flexibilität
Serie
Klein bis mittel

Doppelroboter

Ausgelegt für
Sehr kurze Takte, hohe Leistung
Das Argument
Bearbeitungsleistung
Serie
Hoch, parallel
Die Auswahl des Entgratverfahrens erfolgt niemals anhand eines einzelnen Merkmals, sondern immer auf Basis der gesamten Prozessanforderung. Diese Auswahlhilfe ist eine Orientierung, kein Konfigurator — das Konzept ist das Ergebnis einer Auslegung, keine Zuordnung.

6 · Sonderlösung

Rundtakt — wenn nicht die Bearbeitung der Engpass ist, sondern das Rüsten

Rundtakt-Wasserstrahlentgratanlagen realisieren wir projektabhängig. Sie gehören nicht zu den drei Standardkonzepten, weil ihr Argument ein anderes ist.

Beim Rundtaktprinzip laufen Be- und Entladen parallel zur Bearbeitung — die Nebenzeit fällt aus dem Takt. Das lohnt sich, wenn Rüst- und Spannzeit im Verhältnis zur Bearbeitungszeit erheblich sind.

Rundtakt-Wasserstrahlentgratanlage

7 · Wo das Verfahren an Grenzen stößt

Eine Wasserstrahlentgratung ist nicht automatisch die beste Lösung

Wasserstrahlentgraten ist nicht die optimale Wahl, wenn eine dieser Bedingungen zutrifft:
  • Definierte Fasen oder Radien sind gefordert

    Das Verfahren entfernt Grate, es ersetzt keine spanende Bearbeitung — der Strahl formt die Kante nicht.
  • Sehr fest anhaftende oder massive Grate

    Sie müssen konstruktiv oder fertigungstechnisch anders beseitigt werden.
  • Die Entgratstelle ist mit keinem Düsenkonzept erreichbar

    Ob sie erreichbar ist, entscheidet nicht die Gratgröße, sondern die Geometrie.
  • Es ist wirtschaftlich nicht sinnvoll

    Etwa bei sehr kleinen Stückzahlen oder wenn ein einfacheres Entgratverfahren ausreicht.
  • Ein anderes Verfahren erfüllt die Anforderungen besser

    Technisch oder wirtschaftlich.

Der erste und der dritte Punkt sind die beiden, die man vor der Anfrage prüfen sollte. Der Werkstoff ist dabei selten das Entscheidende: Aluminium, Stahl, Edelstahl, Messing, Kupfer, Zinkdruckguss und Kunststoff sind alle bearbeitbar. Sagen Sie uns früh, was Sie vorhaben. Wenn ein anderes Verfahren besser passt, sagen wir das.

8 · Was danach kommt

Entgraten steht nie allein

Das Entgraten ist ein Schritt in einer Prozesskette. Was davor und danach passiert — Reinigen, Trocknen, Prüfen, Automatisieren — gehört in dieselbe Auslegung.

9 · Wo unsere Entgratanlagen stehen

Die Branche folgt dem Bauteil

Getriebe-, Pumpen- und Motorgehäuse und Ventilblöcke entstehen in Gießerei und Druckguss und werden in Automobil- und Maschinenbau verbaut. Wo diese Teile gefertigt werden, entstehen Grate in Innenkanälen — und dort steht das Verfahren.

Bereits realisiert

AutomotiveGießereiDruckgussMaschinenbauLuft- und Raumfahrt

Maßgeblich bleibt das Bauteil, nicht der Wirtschaftszweig. Das Verfahren ist auf keine Branche festgelegt: Wo ein Bauteil innen verzweigt ist und der Grat mechanisch nicht erreichbar, legen wir es aus — unabhängig davon, in welcher Industrie es verbaut wird.

10 · Lieferumfang und Nachweis

Zwei Ergebnisse werden nachgewiesen: Restgrat und Restschmutz

Ist der Grat weg — und ist das Teil sauber? Beide Nachweise kommen aus einer Hand. Welche Prüfverfahren im Einzelfall zum Einsatz kommen, steht auf den Seiten der Maschinenkonzepte.

Der Lieferumfang wird projektspezifisch festgelegt. Je nach Anforderung umfasst er Wasserstrahlentgratanlage, Filtration, Wasseraufbereitung, Trocknung, Automatisierung, Dokumentation, CE-Konformität und Schulung. Die Trocknung gehört nicht standardmäßig dazu — wo das Bauteil trocken weitergehen muss, wird sie projektspezifisch integriert.

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