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Nicht die Sauberkeit selbst ist das Schwierige, sondern ihr Nachweis: Ein Bauteil, das sauber ist, aber nicht belegt sauber, ist in einer Fertigung mit Nachweispflicht nicht verwendbar.

Bauteile mit hoher technischer Sauberkeit reinigen und entgraten

1 · Die Herausforderung

Warum hohe technische Sauberkeit schwierig nachzuweisen ist

Nicht das Erreichen der Sauberkeit entscheidet über das Projekt, sondern der Beleg, dass sie erreicht ist — und dass sie wiederholbar erreicht wird.

Nicht die Sauberkeit selbst ist an einem Bauteil mit hoher technischer Sauberkeitsanforderung das Schwierige, sondern ihr Nachweis: Ein Bauteil, das sauber ist, aber nicht belegt sauber, ist in einer Fertigung mit Nachweispflicht nicht verwendbar. Ob ein Teil die geforderte Sauberkeit erreicht, sieht man ihm nicht an — es entscheidet sich an messbaren Größen wie Partikelanzahl, Partikelgröße und Restschmutzmenge, geprüft nach definierten Verfahren.

An einem Bauteil mit Nachweispflicht sind zwei Ergebnisse nachzuweisen, nicht eines: Restgrat — ist der Grat weg? Und Restschmutz — ist das Teil sauber? Gerade beim Entgraten werden sie verwechselt, dabei sind es zwei Fragen. Ein Bauteil kann gratfrei und trotzdem verschmutzt sein, und umgekehrt; wer nur eines prüft, kennt den Zustand des Teils nicht.

Beim Entgraten eines Bauteils mit Nachweispflicht muss der Grat nicht nur weg sein — es muss belegbar sein, dass er weg ist. Und die Oberfläche darf sich dabei nicht verändern. Beides zugleich ist die eigentliche Aufgabe: Zu viel Druck entfernt den Grat und beschädigt das Bauteil.

Der Nachweis muss an einem Bauteil mit hoher Sauberkeitsanforderung reproduzierbar sein, nicht einmalig gelingen. Es zählt nicht, dass ein gutes Teil das Ergebnis erreicht, sondern dass jedes Teil es erreicht. Wo ein Ausreißer nicht akzeptabel ist, reicht ein gutes Durchschnittsergebnis nicht — es zählt die Wiederholgenauigkeit, und es zählt, dass sie belegbar ist.

Und es gibt eine Grenze, die vor die Anfrage gehört: Unrealistisch niedrige Restschmutzforderungen sind der häufigste Grund, warum eine Aufgabe so nicht lösbar ist. Das sagen wir vor dem Angebot, nicht nach der Abnahme — eine Sauberkeit, die sich nicht dauerhaft halten lässt, ist kein erreichbares Ziel, auch wenn sie sich in einem Einzelversuch zeigen ließe.

2 · Die Engineering-Überlegung

Woran wir die Auslegung festmachen

Sieben von sechzehn Faktoren des Auswahlrahmens sind an einem Bauteil mit hoher technischer Sauberkeit die maßgeblichen. Sie werden gemeinsam betrachtet, nicht nacheinander abgehakt — und keiner von ihnen entscheidet allein.
  • 01

    Werkstückaufnahme

    Der Warenträger ist an einem Bauteil mit hoher Sauberkeitsanforderung kein Zubehör, sondern wesentlicher Bestandteil des Anlagenkonzepts: Seine Konstruktion bestimmt mit, wo Spritzschatten entsteht und ob die Düsen an das Bauteil kommen — insbesondere bei Restschmutzanforderungen ist sie ein entscheidender Faktor. Sie entscheidet zugleich mit, wie viel Flüssigkeit überhaupt in die Trocknung gelangt.
  • 02

    Restschmutzanforderung

    Was am Bauteil nachgewiesen werden muss, steht am Anfang der Auslegung, nicht an ihrem Ende: Die geforderten Restschmutzwerte wirken auf Verfahren, Filtertechnik, Trocknung und Werkstückaufnahme zugleich. Bei hoher technischer Sauberkeit steht die Anforderung damit vor der Anlage — was nachzuweisen ist, bestimmt Wasserqualität, Trocknung und Prozessüberwachung.
  • 03

    Entgratungsbedarf

    Ob an einem Bauteil mit Nachweispflicht zusätzlich entgratet werden muss, wird in derselben Klärung mitentschieden: Kommt Grat hinzu, ist Wasserstrahlentgraten meist die bessere Lösung. Für den Nachweis heißt das zwei Ergebnisse statt einem — Restgrat und Restschmutz sind zwei verschiedene Ergebnisse mit zwei verschiedenen Nachweisen.
  • 04

    Automatisierungsgrad

    Alle Bauarten sind automatisiert be- und entladbar — über Roboter, Handhabung oder Fördertechnik. Wo an einem Bauteil Prozesssicherheit gefordert ist, ist die Automatisierung zugleich ein Beitrag dazu: Ein automatisierter Ablauf ist der reproduzierbare. Welcher Automatisierungsgrad sinnvoll ist, legen wir gemeinsam mit den übrigen Faktoren fest.
  • 05

    Wasser und Prozessmedien

    Welche Wasserqualität ein Bauteil mit hoher technischer Sauberkeit verlangt, richtet sich nach der Restschmutzanforderung, dem Werkstoff und dem Folgeprozess — Stadtwasser, enthärtetes Wasser oder DI-Wasser. Wasser ist damit ein eigenständiger Auslegungsbereich, kein Zubehör; wo nötig, legen wir die komplette Wasseraufbereitung mit aus.
  • 06

    Trocknung

    Wie trocken das Bauteil die Anlage verlassen muss, bestimmt den Aufwand am Ende der Prozesskette — Umluft, Infrarot, Abblasen oder Vakuumtrocknung, projektabhängig ausgelegt. Bei hoher technischer Sauberkeit ist das kein Nachgedanke: Ein sauberes, aber feuchtes Bauteil ist nicht fertig, und Restfeuchte in Sacklöchern und Bohrungen, Flecken durch antrocknende Rückstände und Korrosion an blanken Flächen sind genau die Ausfälle, die eine zu knapp ausgelegte Trocknung übrig lässt.
  • 07

    Folgeprozess

    Nicht die Reinigungsanlage entscheidet, wie sauber ein Bauteil sein muss, sondern das, was danach mit ihm passiert: Ob geklebt, beschichtet oder lackiert wird, verändert die Anforderung grundlegend — bis hin zu der Frage, welche Wasserqualität nötig ist. Wir betrachten deshalb nicht die Anlage, sondern Ihre Fertigung.
Alle sechzehn Faktoren im Überblick

3 · Die Anlagenkonzepte

Welche Anlagenkonzepte und Verfahren infrage kommen

Keines davon folgt aus der Sauberkeitsanforderung allein. Was hier steht, ist der Lösungsraum — welches Konzept es wird, entsteht aus den Faktoren darüber.

Kammerreinigungsanlagen

ZK

Wechselt das Teilespektrum und sollen an einem Bauteil mit hoher Sauberkeitsanforderung mehrere Prozessschritte in einer geschlossenen Kammer stattfinden, kann die Kammeranlage sinnvoll sein — bei kleinen bis mittleren Stückzahlen, für Schüttgut in der Regel als Flutreinigung innerhalb der Kammer.

Tauchanlagen

ZT

Muss an einem Bauteil mit hoher Sauberkeitsanforderung Werkstück oder Schüttgut vollständig eingetaucht werden, damit das Medium alle Bereiche sicher erreicht, kommt die Tauchanlage insbesondere infrage — bei kleinen Bauteilen mit Sacklöchern liefern Tauchen und Fluten die besseren Ergebnisse. Ultraschall ergänzen wir, wo es sinnvoll ist.

Durchlaufanlagen

ZD

Läuft ein Bauteil mit hoher Sauberkeitsanforderung in einer Linie mit durchgehendem Fluss, kann die Durchlaufanlage infrage kommen: Die Sauberkeitsanforderung schließt sie nicht aus, sie bestimmt die Auslegung der Stufen. Was erreichbar ist, entscheidet die Prozessführung, nicht die Bauart.

Rundtaktreinigungsanlagen

Ist der Prozess an einem Bauteil mit hoher Sauberkeitsanforderung in feste Stationen zerlegt und liegt der Engpass im Be- und Entladen, kann die Rundtaktanlage sinnvoll sein. Sie setzt einen definierten Serienprozess mit gleichbleibender Prozessfolge voraus.

Trocknung

Muss ein Bauteil mit hoher technischer Sauberkeit trocken weitergehen, gehört die Trocknung als eigener Auslegungsparameter dazu und nicht als Zutat am Ende: Umluft, Infrarot oder Abblasen, je nach Auslegung — bei sehr hohen Trocknungsanforderungen kommt die Vakuumtrocknung infrage. Trocknen ist dabei der dritte feste Schritt im Grundprozess, projektabhängig erweitert um ein zweites Spülen, ein zweites Trocknen oder ein Abblasen.

Hochpräzisions-Wasserstrahlentgraten

Kommt an einem Bauteil mit Nachweispflicht Grat hinzu, kommt das Wasserstrahlentgraten insbesondere infrage: Der Hochdruckwasserstrahl erreicht Bohrungen und Innenkanäle, an die mechanische Werkzeuge nicht herankommen — reproduzierbar und im Takt, was bei geforderter Prozesssicherheit den Ausschlag gibt. Den Druck legen wir dabei nach der Aufgabe aus, nicht nach Katalog.

Technische Sauberkeit und Restschmutz

Steht am Bauteil eine hohe technische Sauberkeit, ist der Nachweis Teil der Aufgabe und nicht ein Zusatz: Je nach Anforderung kommen Sichtprüfung, kameragestützte Prüfung, Restgratprüfung, Restschmutzanalyse und Prozessüberwachung infrage. Die ersten vier prüfen das Teil, die fünfte den laufenden Prozess — sie hält ihn im Fenster und ist damit die Voraussetzung dafür, dass nicht jedes Teil geprüft werden muss.

Der Grundsatz

Warum an Bauteilen mit hoher technischer Sauberkeit mehrere Lösungen möglich sind

Keine dieser Zuordnungen ist eine Regel. Die Bauart folgt dem Bauteil und dem Takt — dasselbe Bauteil kann je nach Stückzahl, Taktzeit, Restschmutzanforderung und Materialfluss in einer anderen Anlage besser aufgehoben sein, und es gibt keine Regel „Bauteil X, Maschine Y“. Was eine hohe technische Sauberkeit festlegt, ist deshalb nicht die Bauart, sondern das, was der Nachweis verlangt: Wasserqualität, Trocknung und Prozessüberwachung. Was Sie hier sehen, ist die Überlegung, nicht ihr Ergebnis.

4 · Was zusätzlich zu bedenken ist

Was an Bauteilen mit hoher technischer Sauberkeit über den Prozess hinaus zu klären ist

Vier Punkte, die die Auslegung mitbestimmen, obwohl keiner von ihnen den Prozess selbst betrifft.
  • 01

    Den Nachweis führt nicht der, der die Anlage gebaut hat

    An einem Bauteil mit Nachweispflicht laufen beide Nachweise über einen Ansprechpartner, aber nicht beide über dieselbe Hand: Die Restschmutzanalyse führt ein unabhängiges, akkreditiertes Prüflabor durch, nicht wir. Das ist Absicht — an dieser Zahl hängt unsere Freigabe, und sie soll nicht von uns kommen.
  • 02

    Die Norm sagt, wie gemessen wird — nicht, welchen Wert Ihr Bauteil erreichen muss

    Wo an einem Bauteil technische Sauberkeit gefordert ist, wird nach VDA 19 / ISO 16232 gemessen. Diese Normen legen fest, wie gemessen wird, damit ein Wert vergleichbar und wiederholbar ist — nicht, welchen Wert Ihr Bauteil erreichen muss. Deshalb legen wir auf die konkrete Sauberkeitsanforderung Ihres Bauteils aus, nicht auf die Norm als solche: Ihre Vorgabe, das Bauteil und der Folgeprozess bestimmen die Auslegung, die Norm bestimmt den Nachweis.
  • 03

    Erst wenn die Werte stimmen, verlässt die Anlage das Werk

    Geprüft wird zweimal: bei der internen Werksabnahme mit Originalbauteilen und erneut bei der Endabnahme nach der Montage bei Ihnen. Werden die vereinbarten Restschmutzwerte nicht erreicht, wird die Anlage nicht freigegeben. Erst die zweite Abnahme beweist unter Ihren realen Bedingungen, was die erste zugesagt hat.
  • 04

    Rückverfolgbarkeit bis auf das einzelne Bauteil

    Wo nicht „die Charge war sauber“ genügt, sondern „dieses Teil war es“, ist Rückverfolgbarkeit bis auf das einzelne Bauteil projektabhängig möglich: Über Barcode- oder DataMatrix-Erkennung lässt sich das Bearbeitungsprogramm je Teil wählen und das Ergebnis je Teil zurückschreiben. Das ist projektabhängig, nicht Standard.

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Fachlich verantwortlich für diese Seite: Kersten John — Senior Consultant Technische Sauberkeit