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Gießerei und DruckgussHohlräumeKreuz- und QuerbohrungenFormteilung und ÜbergängeGussgrat und FlitterRestschmutz im KanalSerie

Gussgrate und Flitter sitzen nicht an einer Kante, sondern verteilt — und sie lösen sich später von selbst.

Bauteile mit starken Graten entgraten und reinigen

1 · Die Herausforderung

Warum starke Grate schwierig zu entfernen sind

Nicht die Größe des Grats macht die Aufgabe schwer, sondern seine Wurzel und die Frage, ob ein Strahl sie erreicht.

Gussgrate und Flitter sitzen nicht an einer Kante, sondern verteilt. Sie entstehen nicht beim Zerspanen an einer definierten Kante, sondern an der Formteilung und an Übergängen — und sie treten als Flitter auf, in Form loser Gratreste, die sich später ablösen. Wo sie hinfallen, entscheidet nicht die Konstruktion.

Ein Flitter, der im Kanal bleibt, ist kein Formfehler mehr, sondern Restschmutz. Damit ist ein Bauteil mit starken Graten zugleich ein Sauberkeitsfall: Der abgelöste Grat ist ein Sauberkeitsproblem, Entgraten und Restschmutz gehören zusammen.

Eine feste Standard-Gratart gibt es an Bauteilen mit starken Graten nicht. Bohrgrate, Querbohrungsgrate, Kreuzbohrungsgrate, Austrittsgrate, Fräsgrate, Gussgrate und Flitter kommen vor; vier der sieben sitzen an oder in Bohrungen. Maßgeblich ist die Bauteilgeometrie, nicht die Bezeichnung des Grats.

Die eigentliche Schwierigkeit an einem stark gratbehafteten Bauteil ist nicht die Gratgröße, sondern die Gratwurzel und die Zugänglichkeit: wo der Grat ansetzt, wie fest er sitzt — und ob ein Strahl ihn erreicht. Ob die Entgratstelle erreichbar ist, entscheidet die Geometrie, nicht die Gratgröße.

Und es gibt eine Grenze, die vor die Anfrage gehört: Sehr fest anhaftende oder massive Grate lassen sich mit dem Wasserstrahl nicht wirtschaftlich entfernen — sie müssen konstruktiv oder fertigungstechnisch anders beseitigt werden. Das sagen wir vor dem Angebot, nicht bei der Abnahme.

2 · Die Engineering-Überlegung

Woran wir die Auslegung festmachen

Acht von sechzehn Faktoren des Auswahlrahmens sind an Bauteilen mit starken Graten die maßgeblichen. Sie werden gemeinsam betrachtet, nicht nacheinander abgehakt — und keiner von ihnen entscheidet allein.
  • 01

    Bauteilgeometrie

    Maßgeblich ist an einem stark gratbehafteten Bauteil die Bauteilgeometrie, nicht die Bezeichnung des Grats. Überwiegend geht es um Aluminium-Druckguss; der Werkstoff ist dabei selten das Entscheidende — Aluminium, Stahl, Edelstahl, Messing, Kupfer, Zinkdruckguss und Kunststoff sind alle bearbeitbar. Größe und Gewicht des Bauteils gehen in dieselbe Betrachtung ein.
  • 02

    Innengeometrie

    An Bauteilen mit starken Graten entscheiden Gratwurzel und Zugänglichkeit der Entgratstelle über das Konzept: Innenliegende Kanäle mit Querbohrungen und Verschneidungen sind genau die Stellen, an denen der Grat entsteht und an die man von außen nicht herankommt. Ob ein Strahl die Stelle erreichen kann, ist die eigentliche Grenze des Verfahrens, nicht der Werkstoff.
  • 03

    Werkstückaufnahme

    Die Werkstückaufnahme ist an einem stark gratbehafteten Bauteil ein Konstruktionsteil des Prozesses: Beim Entgraten arbeitet ein Strahl gegen das Bauteil, und die Spannvorrichtung muss diese Kraft aufnehmen und gleichzeitig jede Entgratstelle frei zugänglich lassen. Stehen die Düsen fest, muss das Bauteil exakt und wiederholgenau in derselben Lage sitzen; arbeiten zwei Roboter in einer Zelle, muss die Aufnahme beiden gleichzeitig Zugang lassen.
  • 04

    Verschmutzungsart

    Grat ist an diesem Fall selbst die Verschmutzung: Öl, Emulsion, Staub, Späne oder Grat verhalten sich im Prozess unterschiedlich — und die Menge zählt ebenso wie die Art. Beim Gussgrat sind es Menge und Verteilung, die die Aufgabe bestimmen, nicht eine einzelne Kante.
  • 05

    Restschmutzanforderung

    Was am Bauteil nachgewiesen werden muss, steht am Anfang der Auslegung, nicht an ihrem Ende: Die geforderten Restschmutzwerte wirken auf Verfahren, Filtertechnik, Trocknung und Werkstückaufnahme zugleich. Bei starken Graten kommt hinzu, dass der abgelöste Grat selbst in den Restschmutznachweis eingeht.
  • 06

    Entgratungsbedarf

    Kommt an einem Bauteil Grat hinzu, ist Wasserstrahlentgraten meist die bessere Lösung — die Gratwurzel liegt dort, wo man mechanisch nicht hinkommt. Für das Entfernen von Flitter führen wir den Begriff Flitterentgraten; es läuft über integrierte Robotersysteme, auch bei komplizierter Geometrie und hohen Restschmutzanforderungen.
  • 07

    Stückzahl

    Von Hand entgratet ist an einem stark gratbehafteten Bauteil jedes Ergebnis ein anderes — was bei einem Prüfteil funktioniert, trägt keine Serie. Umgekehrt gilt dieselbe Überlegung von ihrem anderen Ende her: Wasserstrahlentgraten rechnet sich bei hohen Stückzahlen und bei sehr kleinen nicht. Wo ein einfacheres Entgratverfahren ausreicht, sagen wir das.
  • 08

    Taktzeit

    Die Taktzeit entscheidet an einem Bauteil mit vielen verteilten Entgratstellen darüber, wie die Arbeit aufgeteilt wird: Überschreitet die Summe der Stellen den geforderten Takt, spricht das für parallele Bearbeitung. Geht die Zeit dagegen nicht beim Entgraten verloren, sondern beim Spannen, Lösen, Ein- und Auslegen, hilft kein schnellerer Roboter und kein zweiter.
Alle sechzehn Faktoren im Überblick

3 · Die Anlagenkonzepte

Welche Anlagenkonzepte und Verfahren infrage kommen

Keines davon folgt aus der Gratart allein. Was hier steht, ist der Lösungsraum — welches Konzept es wird, entsteht aus den Faktoren darüber.

Roboterzelle mit Einzelroboter

Wechselt das Teilespektrum und sitzen die Grate verteilt im Bauteil, kann die Roboterzelle mit Einzelroboter sinnvoll sein: Eine Vorrichtung, die für ein Bauteil ausgelegt ist, passt für das nächste nicht mehr — eine bewegliche Strahlführung schon. Gussgrate und Flitter gehören zu den Gratarten, die sie abträgt.

Roboterzelle mit Doppelroboter

Hat ein Bauteil viele verteilte Entgratstellen und überschreitet die Summe den geforderten Takt, kommt die Doppelroboterzelle insbesondere infrage: sehr kurze Taktzeiten, hohe Produktionsleistung, parallele Bearbeitung. Die Werkstückaufnahme muss dann beiden Robotern gleichzeitig Zugang lassen.

Stationäre Entgratanlage

Läuft immer dasselbe Bauteil in fester Spannlage und genügen feste Düsensysteme, kann die stationäre Anlage die wirtschaftlichere Lösung sein: Die Aufgabe ist dann nicht Komplexität, sondern Wiederholung — dasselbe Teil, dieselbe Spannlage, dieselben Entgratstellen, jedes Mal.

Rundtakt-Wasserstrahlentgratanlage

Ist der Entgratvorgang an einem stark gratbehafteten Bauteil kurz und geht die Zeit beim Spannen, Lösen, Ein- und Auslegen verloren, kann die Rundtakt-Wasserstrahlentgratanlage infrage kommen: Be- und Entladen laufen parallel zur Bearbeitung, die Nebenzeit fällt aus dem Takt. Sie bleibt eine Sonderlösung und gehört nicht zu den drei Standardkonzepten.

Industrielle Teilereinigung

Geht die geforderte technische Sauberkeit über das hinaus, was der Entgratprozess am Bauteil mitliefert, kann eine Reinigungsanlage nachgeschaltet werden — ausgelegt auf dasselbe Bauteil, von denselben Konstrukteuren. Beide Technologien entwickeln wir selbst.

Der Grundsatz

Warum an Bauteilen mit starken Graten mehrere Lösungen möglich sind

Keine dieser Zuordnungen ist eine Regel. Dieselbe Gratart kann je nach Bauteilgröße, Stückzahl und Taktzeit ein anderes Maschinenkonzept verlangen — die Auswahl erfolgt nie anhand eines einzelnen Merkmals. Die drei Standardkonzepte tragen drei Argumente, die sich nicht überschneiden: Wirtschaftlichkeit bei Gleichteilen, Flexibilität, Bearbeitungsleistung. Genau deshalb ist die Wahl selten eindeutig — was Sie hier sehen, ist die Überlegung, nicht ihr Ergebnis.

4 · Was zusätzlich zu bedenken ist

Was an Bauteilen mit starken Graten über das Entgraten und Reinigen hinaus zu klären ist

Vier Punkte, die die Auslegung mitbestimmen, obwohl keiner von ihnen den Prozess selbst betrifft.
  • 01

    Der Wasserstrahl entfernt den Grat, er formt die Kante nicht

    Wo an einem Bauteil eine definierte Fase oder ein Radius gefordert ist, ist ein anderes Verfahren richtig: Das Wasserstrahlentgraten entfernt Grate, es ersetzt keine spanende Bearbeitung. Das sagen wir vor dem Angebot, nicht bei der Abnahme.
  • 02

    Zu viel Druck entfernt den Grat und beschädigt das Bauteil

    Der Druck wird an einem stark gratbehafteten Bauteil nach der Aufgabe ausgelegt, nicht nach oben. Auch das Medium legen wir aus — im Regelfall Wasser, je nach Anforderung mit Korrosionsschutz, Reiniger oder Additiven. Alle übrigen Werte entstehen im Angebot: Für Sonderanlagen gibt es keine Datenblätter.
  • 03

    Es sind zwei Nachweise, nicht einer

    Am Bauteil wird zweifach geprüft: Restgrat — ist der Grat weg? — und Restschmutz — ist das Teil sauber? Beide Nachweise laufen über einen Ansprechpartner, aber nicht beide über dieselbe Hand: Die Restschmutzanalyse führt ein unabhängiges, akkreditiertes Prüflabor durch, nicht wir.
  • 04

    Entgraten und Reinigen werden gemeinsam betrachtet

    Derselbe Strahl trägt den Grat an der Wurzel ab und spült ihn aus dem Kanal; Restschmutz wird je nach Auslegung im selben Prozess entfernt. Ob ein Bauteil mit starken Graten in einem Schritt oder in zweien bearbeitet wird, verändert deshalb, worüber überhaupt entschieden wird — über einen Prozessschritt oder über zwei.

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