
„Sauber“ ist kein Zustand, den man ansieht. Es ist ein Wert, den man misst.
Technische Sauberkeit und Restschmutz

1 · Die Herausforderung
Zwei Missverständnisse, die immer wieder Projekte erschweren
Restgrat und Restschmutz sind zwei verschiedene Ergebnisse
Restgrat
Ist der Grat weg?Restschmutz
Ist das Teil sauber?
Gerade beim Entgraten werden sie verwechselt — dabei sind es zwei Fragen, nicht eine. Ein Bauteil kann gratfrei und trotzdem verschmutzt sein, und umgekehrt. Beide Ergebnisse müssen getrennt nachgewiesen werden: Wer nur eines prüft, kennt den Zustand des Teils nicht.
Sauberkeit ist nicht sichtbar
Ob ein Teil die geforderte Sauberkeit erreicht, sieht man ihm nicht an. Es entscheidet sich an messbaren Größen — Partikelanzahl, Partikelgröße, Restschmutzmenge — geprüft nach definierten Verfahren. Für die Qualitätssicherung heißt das: Nicht der Augenschein zählt, sondern der Nachweis. Und dieser Nachweis muss reproduzierbar sein, nicht einmalig gelingen.
2 · Die Engineering-Überlegung
Nicht die Reinigungsanlage entscheidet, wie sauber ein Teil sein muss
Genau an diesem Punkt zeigt eine Anfrage oft ihren eigentlichen Grund — nicht die Reinigung ist das Ziel, sondern der Schritt danach, der ohne saubere Oberfläche nicht funktioniert. Deshalb steht die Sauberkeitsanforderung bei uns am Anfang jeder Auslegung, nicht am Ende: als einer der Parameter, aus denen Verfahren, Wasserqualität und Prozessfolge überhaupt erst hergeleitet werden.
Wasserqualität ist Teil der Sauberkeit, nicht Zubehör
Welche Wasserqualität nötig ist, richtet sich nach der Restschmutzanforderung, dem Werkstoff und dem Folgeprozess — Stadtwasser, enthärtetes Wasser oder DI-Wasser. Wird nach der Reinigung geklebt oder beschichtet, verändert das die Anforderung grundlegend. Wo nötig, legen wir die komplette Wasseraufbereitung mit aus — bis zu Osmose und Verdampfer.
Wenn die Forderung unrealistisch ist
Unrealistisch niedrige Restschmutzforderungen sind der häufigste Grund, warum eine Aufgabe so nicht lösbar ist. Wir sagen das vor dem Angebot, nicht nach der Abnahme. Das ist keine Absage aus Bequemlichkeit, sondern die Voraussetzung dafür, dass eine einmal zugesagte Anforderung am Ende auch reproduzierbar steht. Eine Sauberkeit, die sich nicht dauerhaft halten lässt, ist kein erreichbares Ziel — auch wenn sie sich in einem Einzelversuch zeigen ließe.
3 · Wie das Ergebnis nachgewiesen wird
Fünf Prüfverfahren — und eines davon prüft nicht das Teil
Sichtprüfung
Grat sichtbar vorhanden oder nicht.Kameragestützte Prüfung
Dasselbe automatisiert, reproduzierbar, im Takt.Restgratprüfung
Das Entgratergebnis selbst.Restschmutzanalyse
Die Sauberkeit, wo gefordert nach VDA 19 / ISO 16232.Prozessüberwachung
Der laufende Prozess, nicht das Einzelteil. Sie hält den Prozess im Fenster — die Voraussetzung dafür, dass nicht jedes Teil geprüft werden muss. Der Nachweis verschiebt sich vom Einzelteil auf den Prozess.
Was VDA 19 und ISO 16232 regeln
Diese Normen legen fest, wie technische Sauberkeit gemessen wird, damit ein Wert vergleichbar und wiederholbar ist.
Vom Bauteil zum prüfbaren Wert
- 01ExtraktionDie Partikel werden vom Bauteil gelöst und aufgefangen.
- 02Gravimetrische AnalyseDie Restschmutzmasse wird bestimmt.
- 03Optische AnalyseAnzahl und Größe der Partikel werden mikroskopisch erfasst.
- 04PartikelgrößenklassenDas Ergebnis wird in Klassen ausgedrückt und damit vergleichbar.
So wird aus „sauber“ ein prüfbarer Wert — und aus einer Sauberkeitsanforderung eine überprüfbare Zusage.
Den Nachweis führt nicht der, der die Anlage gebaut hat
Wer eine Anlage baut und anschließend selbst misst, ob sie die zugesagten Werte erreicht, bewertet seine eigene Arbeit. Deshalb führt ITR Restschmutzanalysen nicht selbst durch. Die Analyse liegt bei einem unabhängigen, akkreditierten Prüflabor, das ITR nicht weisungsgebunden ist — gemessen wird nach Ihren Vorgaben beziehungsweise nach VDA 19 / ISO 16232, wo diese gefordert sind.
Für Sie heißt das: Die Zahl, an der die Freigabe hängt, stammt nicht von uns. Erreicht die Anlage die vereinbarten Werte nicht, geben wir sie nicht frei — und diese Entscheidung stützt sich auf ein Ergebnis, das ein Dritter verantwortet.
4 · Das Ergebnis
Erst wenn die Werte stimmen, verlässt die Anlage das Werk
Werden die vereinbarten Restschmutzwerte nicht erreicht, wird die Anlage nicht freigegeben.
Geprüft wird zweimal — bei der internen Werksabnahme mit Originalbauteilen und erneut bei der Endabnahme beim Kunden. Erst die zweite Abnahme beweist unter Ihren realen Bedingungen, was die erste zugesagt hat.
Der Maßstab ist die Wiederholbarkeit: Die Anlage muss die geforderte Sauberkeit dauerhaft im vorgesehenen Betrieb erreichen, nicht in einem guten Einzelfall. Genau darauf ist die Auslegung von Anfang an gerichtet.
Wo dieses Thema hingehört
Der gemeinsame Nenner beider Kernprozesse
Häufige Fragen
Was Qualitätsleiter und Einkäufer am häufigsten fragen
Was passiert, wenn die vereinbarten Restschmutzwerte nicht erreicht werden?
Was ist der Unterschied zwischen Restgrat und Restschmutz?
Nach welchen Normen wird technische Sauberkeit geprüft?
Führt ITR die Restschmutzanalysen selbst durch?
Was bestimmt, wie sauber ein Bauteil sein muss?
Wonach richtet sich die benötigte Wasserqualität?
Was passiert, wenn die geforderte Sauberkeit nicht erreichbar ist?
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