Sacklöcher und Querbohrungen sind genau die Stellen, an denen ein Spritzstrahl nicht ankommt: Er trifft, was er sieht.
Bauteile mit Querbohrungen und Sacklöchern reinigen und entgraten
1 · Die Herausforderung
Warum Querbohrungen und Sacklöcher schwierig sind
Bei einem Bauteil mit Querbohrungen und Sacklöchern sitzt die Verschmutzung dort, wo der Spritzstrahl nicht hinkommt. Beim Sprühen entsteht Spritzschatten: Nicht jede Fläche ist erreichbar — der Strahl trifft, was er sieht. Was er nicht sieht, bleibt unbehandelt und wird beim Restschmutznachweis sichtbar.
Ein Sackloch gehört zu den Stellen, die ein gerichteter Strahl nicht erreicht. Genau dort sitzt aber der Restschmutz, der später gemessen wird — und genau dort scheitert das Sprühen am Spritzschatten.
An der Verschneidung zweier Querbohrungen kommt ein zweites Problem hinzu: Dort entsteht der Grat, und an keine dieser Stellen kommt ein mechanisches Werkzeug heran. Vier der sieben Gratarten, die wir führen, sitzen an oder in Bohrungen — eine feste Standard-Gratart gibt es nicht, maßgeblich ist die Bauteilgeometrie.
Ein Grat, der in einer Querbohrung bleibt, bleibt selten ein Formfehler. Er löst sich später und wandert dorthin, wo das Bauteil arbeitet — in Öl- und Hydraulikkanäle, an Ventile, in Pumpen und Getriebe. Ein abgelöster Grat im Kanal ist damit nicht nur ein Entgrat-, sondern ein Restschmutzproblem.
Die Aufgabe hängt dabei nicht am einzelnen Bauteil: Innen verzweigte Gehäuse, Kanäle mit Querbohrungen, Sacklöcher und Verschneidungen stellen dieselbe Aufgabe — gleich ob das Teil später in einem Getriebe oder in einem Triebwerk arbeitet.
2 · Die Engineering-Überlegung
Woran wir die Auslegung festmachen
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Innengeometrie
Sacklöcher, Durchgangsbohrungen und innenliegende Kanäle mit Querbohrungen entscheiden mit über das Verfahren: Beim Sprühen entsteht Spritzschatten, nicht jede Fläche ist erreichbar. Viele Bohrungen sprechen für Lanzentechnik — gezielt statt flächig. - 02
Bauteilgeometrie
Geometrie, Größe und Werkstoff stehen am Anfang — ebenso, ob ein Einzelteil bearbeitet wird oder eine Schüttgutcharge. Je komplexer die Geometrie und je mehr Bohrungen und Sacklöcher, desto eher kommen Tauchen und Fluten infrage statt Sprühen. - 03
Werkstückaufnahme
Bei Querbohrungen und Sacklöchern ist der Warenträger kein Zubehör, sondern wesentlicher Bestandteil des Anlagenkonzepts. Seine Konstruktion bestimmt mit, wo Spritzschatten entsteht und ob die Düsen an das Bauteil kommen — insbesondere bei Restschmutzanforderungen ist sie ein entscheidender Faktor. - 04
Teileorientierung
Wie das Bauteil in der Anlage liegt, entscheidet mit darüber, ob das Reinigungsmedium wieder abläuft und wie aufwendig die anschließende Trocknung wird. Ein Bauteil mit Sacklöchern, das waagerecht auf dem Werkstückträger liegt, kann nicht ablaufen: Das Wasser bleibt in der Bohrung stehen und geht vollständig in die Trocknung. Eine andere Aufnahme — gekippt oder gedreht — ändert genau das. Die Flüssigkeitsmenge ist deshalb kein Eingangswert, sondern ein Ergebnis aus Geometrie und Lage. - 05
Restschmutzanforderung
Was in Querbohrungen und Sacklöchern nachgewiesen werden muss, steht am Anfang der Auslegung, nicht an ihrem Ende. Die geforderten Restschmutzwerte wirken auf Verfahren, Filtertechnik, Trocknung und Werkstückaufnahme zugleich. - 06
Entgratungsbedarf
Ob zusätzlich entgratet werden muss, wird in derselben Klärung mitentschieden: Kommt Grat hinzu, ist Wasserstrahlentgraten meist die bessere Lösung. Bei einer Verschneidung zweier Querbohrungen ist das die Stelle, an die mechanisch kein Werkzeug kommt. - 07
Trocknung
Bohrungen und Sacklöcher stellen an die Trocknung die höchsten Anforderungen — dort bleibt Restfeuchte stehen, wo eine konventionelle Trocknung nicht hinreicht. Wie trocken das Bauteil die Anlage verlassen muss, bestimmt den Aufwand am Ende der Prozesskette: Umluft, Infrarot, Abblasen oder Vakuumtrocknung, projektabhängig ausgelegt.
3 · Die Anlagenkonzepte
Welche Verfahren und Anlagenkonzepte infrage kommen
Tauchreinigung
Wo ein gerichteter Strahl das Sackloch nicht erreicht, kann das Eintauchen zum Ergebnis führen: Nicht das Medium wird um das Bauteil geführt, sondern das Bauteil in das Medium versenkt — dadurch erreicht die Flüssigkeit auch Bereiche, auf die kein Strahl zielen kann.
Flutreinigung
Erreicht ein gerichteter Strahl verdeckte Übergänge und verzweigte Konturen nicht, kann das Fluten infrage kommen: Das Medium wird mit hohem Volumen über und um das Werkstück geführt, und die Wirkung entsteht aus der umströmenden Flüssigkeitsmenge statt aus dem Aufprall. Fluten ist dabei ein Verfahren, keine eigene Anlagenbauart.
Lanzentechnik
Muss eine einzelne Querbohrung gezielt getroffen werden, kommt die Lanzentechnik infrage: Das Medium wird gezielt in die Bohrung geführt statt flächig über das Bauteil. Jede Lanze muss dabei zur Bohrung passen und sie zuverlässig treffen — die Anordnung wird auf das konkrete Bauteil ausgelegt und ist Teil der Konstruktion.
Tauchanlagen
ZTFür komplexe Bauteile mit vielen Bohrungen und Sacklöchern kann die Tauchanlage sinnvoll sein — überall dort, wo Sprühen Spritzschatten hinterlässt und das Medium jede Stelle sicher erreichen muss.
Kammerreinigungsanlagen
ZKFlutprozesse laufen überwiegend in Kammerreinigungsanlagen. Wo einzelne Bohrungen zusätzlich gezielt durchströmt werden müssen, wird die Lanzentechnik darin ergänzt.
Wasserstrahlentgraten
Sitzt an der Verschneidung zweier Querbohrungen eine Gratwurzel, kommt das Wasserstrahlentgraten infrage: Der Wasserstrahl braucht keinen Weg für ein Werkzeug, nur einen für das Medium.
Trocknung
Sacklöcher und Innenbohrungen sind der kritische Fall der Trocknung — dort bleibt Restfeuchte stehen, wo eine konventionelle Trocknung nicht hinreicht. Bei hoher Anforderung kann die Vakuumtrocknung die Antwort darauf sein; sie ist eine Option, kein eigenes Verfahren.
Der Grundsatz
Warum bei dieser Geometrie mehrere Lösungen möglich sind
Keine dieser Zuordnungen ist eine Regel. Querbohrungen und Sacklöcher sagen, wo das Problem sitzt — nicht, welche Anlage es löst: Nicht die Bauteilart entscheidet, sondern die Prozessauslegung. Dasselbe Bauteil kann je nach Stückzahl, Taktzeit, Restschmutzanforderung und Materialfluss in einer anderen Anlage besser aufgehoben sein — es gibt keine Regel „Bauteil X, Maschine Y“. Was Sie hier sehen, ist die Überlegung, nicht ihr Ergebnis.
4 · Was zusätzlich zu bedenken ist
Was bei Querbohrungen und Sacklöchern zusätzlich zu klären ist
- 01
Spritzschatten ist keine Schwäche der Anlage
Beim Sprühen entsteht Spritzschatten — bei Querbohrungen und Sacklöchern regelmäßig. Das ist keine Schwäche der Anlage, sondern eine Eigenschaft des Verfahrens, und sie gehört in die Entscheidung. - 02
Lanzentechnik ergänzt, sie ersetzt nicht
Die Lanzentechnik ersetzt die flächige Reinigung nicht: Die Oberfläche wird gespritzt oder geflutet, die Bohrungen werden gelanzt. In der Praxis ist das häufig ein kombinierter Prozess in derselben Anlage. - 03
Ultraschall ist eine Option, kein eigenes Verfahren
Ultraschall wird überwiegend zusammen mit Tauch- und Flutprozessen eingesetzt. Er ergänzt sie dort, wo die reine Benetzung nicht genügt, ersetzt sie aber nicht — und ob er im konkreten Fall sinnvoll ist, entscheidet die Auslegung. Eine pauschale Regel gibt es nicht. - 04
Ein Grat an der Verschneidung ist kein Reinigungsproblem
Bleiben Späne in Bohrungen und Querbohrungen, ist das eine Frage der Medienführung. Sitzt dort zusätzlich ein Grat an der Verschneidung, ist es kein Reinigungs-, sondern ein Entgratproblem — und beides wird deshalb gemeinsam betrachtet.
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